Geschichte

Kurzüberblick

18.06.1319 

Markgraf Waldemar schenkt der Stadt Rathenow das 7000 Morgen große Gut Rodenwalde.

 

14.08.1319

Der Markgraf stirbt in Bärwalde.

 

Später wurde aus dem Gut Rodenwalde die "Bürgerheide" oder auch das "Bürgerholz"

 

1612

In der Statuta der Stadt Rathenow werden erstmals Regeln zum Umgang mit der Bürgerheide aufgestellt. Hier heißt es auch: "Das Bürgerholz ist das beste Kleinod von allem, was zu dieser Stadt gehört." Die Verwaltung der städtischen Forsten obliegt nun der Forstdeputation. Dies sind Bürger, die als Vertreter und Abgesandte des Magistrats die Einhaltung der Statuta beaufsichtigen.

 

1713

Der Erzgebirgische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz prägt in der Veröffentlichung "Haußwirtliche Nachricht und naturgemäße Anweisung zur wilden Baum-Zucht" erstmals den Gedanken der Nachhaltigkeit in der Forst. Grund war der erhöhte Holzbedarf in den sächsischen Bergwerken.

 

1725

Anweisung des Magistrats zur Lieferung von 25 Eichenstämmen zum Bau der Stadtschleuse

 

1762-1768

Langjähriger Grenzstreit zwischen der Stadt und dem königlichen Forstamt in Grünaue

 

1772

Die Stadt richtet den ersten Forstetat ein.

 

1809

Es erscheint die erste Städteordnung. Der Besitz der Bürgerheide geht von den Bürgern auf die "Communia" über. Streunutzungs- und Weiderechte bleiben bei den Bürgern.

 

1811

Heinrich Cotta begründet in Tharandt bei Dresden die forstliche Hochschullehre.

 

1812

Wilhelm Brandt wird der erste Stadtförster Rathenows. Ihm zur Seite stehen die Heidewächter Jacob Schuhmann und Heinrich Leue. Brandt bleibt bis 1851 im Dienst. Über den Heidewächter Leue gibt es Nachweise aus dem Jahre 1829, von Heidewächter Schuhmann aus dem Jahre 1848.

 

1830

Ein amtliches Disziplinarverfahren wird gegen den Ratsherrn Meuss eröffnet weil dieser unberechtigter Weise Buschholz mit Pferd und Karren aus dem Wald abgefahren hat.

 

1847

Carl Friedrich Wilhelm Ludwig Brandt, wahrscheinlich der Sohn des 1. Stadtförsters wird sein Nachfolger und bleibt bis zum 10.05.1898

Die verbliebenen Streunutzungs- und Weiderechte werden den Bürgern für 22.290 Talen von der "Communia" abgekauft.

 

1858

Mit Theodor Grandke wird ein weiterer Förster eingestellt. Dieser bleibt bis 1891.

 

1875

Julius Greiner wird als nunmehr dritter Förster eingestellt. Im Jahre 1912 endet seine Dienstzeit.

 

1891

Ernst Jasse wird der erste städtische Oberförster. Die in die Reviere Fenn und Riesenbruch aufgeteilte Bürgerheide wird somit von 3 Förstern und mehreren Schägern und Pflanzern bewirtschaftet.

 

1898

Carl Johann Schumrick folgt als neuer Oberförster. Unterstützung erhält er ab 1912

von Erich Nitzke als 2. Stadtförster. Dieser bleibt bis nach dem 2. Weltkrieg im Amt.

Schumrick leitet das städtische Forstamt sehr erfolgreich. Am 01.12.1923 verstirbt er.

 

1919

600 Jahre Rathenower Bürgerheide werden festlich begangen.

 

16.Juni 1921

Revierfahrt des Märkischer Forstvereins mit Oberförster Karl Laubenheimer.

 

15.05.1923

Der Forstrat a.D. Friedrich Albert Schröder wird auf Honorarbasis als Leiter des städt. Grün- und Forstamtes angestellt.

 

1926

Fritz Maetschke wird als Stadtförster angestellt.

 

1936

Ankauf des Revierteils Stechow von der Westerhold´schen Erbengemeinschaft.

Abtretung stadtnaher Flächen an die Wehrmacht.

 

1945

Förster Matuschke wird erster Stadtförster. Ihm unterstellt bis zu seinem Ausscheiden Förster Nitzke.

 

1952

Bildung der Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebe. Die Rathenower Stadtforst wird Teil des StFB Rathenow und verliert seine Eigenständigkeit.

 

Forstrevier Fenn

bis 1954 Werner Appel, dann

bis 1958 Helmut Doeppner, anschließend Klaus Müller

 

Forstrevier Riesenbruch

bis 1958 Wolfgang Kackstein, dann

bis 1994 Helmut Doeppner

 

1964

Kahlschlag von ca. 400 ha zu Schaffung eines Übungsgeländes für die Sowjetarmee.

 

1992

Rückübertrageung der Stadtforstes an die Stadt Rathenow.

 

1997

Rückübertragung der ehemaligen Übungsflächen der Sowjetarmee.

 

2002

Eingemeindung der Ortsteile und Zugliederung der dortigen Forstflächen zum Rathenower Stadtforst

 

 


 

700 Jahre Stadtforst - Ein kleiner geschichtlicher Abriss

von Thomas Querfurth

 

Waldlied

Im Walde möcht' ich leben
Zur heißen Sommerzeit!
Der Wald, der kann uns geben
Viel Lust und Fröhlichkeit.
In seine kühlen Schatten
Winkt jeder Zweig und Ast;
Das Blümchen auf den Matten
Nickt mir: komm, lieber Gast!

 

Wie sich die Vögel schwingen
Im hellen Morgenglanz!
Und Hirsch' und Rehe springen
So lustig wie zum Tanz.
Von jedem Zweig und Reise
Hör nur, wie's lieblich schallt!
Sie singen laut und leise:
Kommt, kommt in grünen Wald!

 

Als Hoffman von Fallersleben dieses Gedicht im Jahre 1835 schrieb war der Hof Rodewald, später die Bürgerheide / Bürgerholz und heute der Rathenower Stadtforst bereits etwas mehr als 500 Jahre im Besitz der Stadt Rathenow. Doch wie kam es dazu, dass das  7000 Morgen große Gut der Stadt geschenkt wurde?

 

Dazu muss man etwas weiter in die Geschichte zurück blicken. Die Familie Beerenwalde, bis dahin Besitzer des Hofes Rodewald starb im Jahre 1294 aus und deren Besitz fiel somit an die Markgrafen von Brandenburg aus dem Geschlecht der Askanier. Anfang des 14. Jahrhunderts führten die Askanier, unter Führung des Markgrafen Waldemar Krieg in der Mark Brandenburg. Nach  siegreichen Kämpfen gegen den Markgrafen von Meißen, den Erzbischof von Magdeburg oder den Grafen von Holstein und Schwerin erlitten die Askanier bei der Schlacht von Gransee im Jahr 1316 aber eine schwere Niederlage. Markgraf Waldemar wurde dabei schwer verwundet und entging nur mit knapper Not einer Gefangennahme durch die Mecklenburger. Doch auch die Sieger der Schlacht waren schwer geschlagen und scheuten weitere Auseinandersetzungen. Die anschließenden Friedensverhandlungen dauerten bis zum Ende des Jahres 1317 und mündeten in den „Templiner Frieden“, ohne wesentliche Zugeständnisse Waldemars. Die Bürger des im Jahre 1295 zur Stadt erhobenen Rathenow nahmen, wie damals üblich, an der Seite ihres Landesherren an den Kämpfen teil. Zwar ist in der Schenkungsurkunde von „ der Notdurft und dem Mangel, womit unsere Mitbürger von Rathenow bedrückt werden“ die Rede, jedoch war wohl der Hauptgrund der Schenkung, die Begleichung des offenen Soldes bei den Rathenower Bürgern. So kam es also am 18.06.1319 zur Übergabe des Markgräflichen Hofes Rodewald am Markgrafenberg. Etwas frei übersetzt, heißt es unter anderem in der Schenkungsurkunde:

 

Wir Waldemar, die Gnade Brandenburgs … erkennen hier offiziell und schriftlich die Bedürfnisse und den Mangel , womit unsere  Mitbürger von Rathenow bedrückt werden  an und geben ihnen nach gründlicher Beratung für jetzt und in Zukunft mit dem vorliegenden Brief den Hof Rodewald mit allen zugehörigen Wäldern, Wiesen, Feldern bebaut und brach, Sümpfen und Auszeichnungen (Grenzen). Er geht für immer frei von allen Diensten und Lasten und unwiderruflich in den rechtlichen  Besitz der Bürgerschaft über.

 

So nach zu lesen im „Codex diplomaticus Brandenburgensis“ aus dem Jahre 1847. Die hier zitierte Urkunde stammt jedoch auch nur von einer Kopie aus dem „Grund und Lagerbuch der Stadt Rathenow“ aus dem Jahre 1744. Die eigentliche Urkunde ist in den Wirren der Schwedenzeit im 17. Jahrhundert, als das alte Rathaus geplündert und gebrandschatzt wurde verloren gegangen. Etwas unklar ist deshalb wohl auch das genaue Datum der Schenkung. In einigen Veröffentlichungen ist als Tag der Schenkung der 19. Juni 1319 angegeben worden. Im Codex wird der 18. Juni angegeben, jedoch heißt es am Ende der Urkunde „...feria secunda proxima ante festum st. Johannis.“, was wörtlich übersetzt bedeutet: „freier zweiter Sonntag vor dem Festtag St. Johannis“. Somit scheidet der 19. Juni 1319 aus, da es sich um einen Montag gehandelt hat. Da der Johannestag aber auf den 24.Juni fällt, wäre der zweite Sonntag davor der 11. Juni gewesen. Letztendlich ist es aber wohl nicht von übermäßigem Belang an welchem Tag die Schenkung stattfand. Wichtig für Rathenow und das nun schon seit 700 Jahren ist die Schenkung an sich.

 

Soweit die geschichtlichen Hintergründe der Geschehnisse. Wie bei vielen Überlieferungen gibt es aber auch  sagenumwobene Geschichten über die Ereignisse, von denen sich eine wie folgt zugetragen haben soll:

Man schreibt das Jahr 1309. Das Geschlecht der Askanier ist mächtig und zahlreich. Für treue Dienste an der Seite von Erich von Dänemark lädt dieser Waldemar und 99 seiner Vasallen, darunter 19 Fürsten und Edle zu einem Hoftage ein um sie dort zum Ritter zu schlagen. Die Feierlichkeit fand wenig später in der Nähe von Rostock statt und übertraf in Ihrer Pracht alles was man bis dahin östlich der Elbe gesehen hatte. Es war seitdem nicht viel Zeit ins Land gegangen, da versammelten sich 13 der Ritter aus dem Geschlecht der Askanier auf dem Berg der Hofes Rodewald bei Rathenow im dortigen Jagdschloss. Sie klagten, dass sie ihrer nun so viele wären, dass das Land sie nicht mehr ernähren könne. Über die Aufteilung der gräflichen Ländereien waren sie in Streit geraten. Die Schlichtungsversuche des Markgrafen Waldemar misslangen. Wie des Öfteren, wenn der Markgraf Waldemar aufgebracht und ratlos war, verließ er seine streitenden Verwandten um dem Klang des Waldes am geheimnisvollen Rodewald´schen Luch zu lauschen. Derweil trat der Hofnarr des Grafen vor die Versammelten  und sprach: „ Ihr edlen Herren, ich hätte einen Vorschlag wie ihr in Kürze und auf angenehme Weise Euren Streit beilegen könnt. Ich lasse ein gutes Fass vom Rathenower Wein bringen, denn im Wein liegt die Wahrheit und nach dem leeren des Fasses werden sich die Herren wohl einig sein.“  Zunächst verlachten ihn die Ritter, doch die Aussicht auf einen guten Trunk ließ sie das Angebot schließlich annehmen. Der Markgraf Waldemar indes kehrte  nach einigen Stunden erfrischt an Körper und Geist wieder, um den Ausgang des Streites zu erfahren.

Beim Betreten des Schlosses fand er alle Ritter tot vor. Da sprach sein Hofnarr: „ Gott wendet es sehr schnell und lässt die Gier und Niedertracht der 13 zusammen mit Ihnen selbst in die Gruft fahren, sodass die Glocken der Marien, wie der Klöster Chorin und Lehnin so bald nicht still stehen werden.“  Alsdann gestand er seinem Herrn den Wein vergiftet und somit den Streit beendet zu haben. Der erboste Markgraf wollte nun den Hofnarren ob seiner meuchlerischen Tat richten lassen. Dieser war sich keiner Schuld bewusst und begründete die Tat damit, dass die nun dem Tode an Heim gefallenen, den Markgraf Waldemar und dessen Familie zu ermorden gedachten. Die Treue zu seinem Herrn ließ ihm keine andere Wahl, als dem frevelhaften Vorhaben der Anderen zuvor zu gekommen.

Aus Enttäuschung über seine gräflichen Verwandten ließ der Markgraf Waldemar das Schloss verfallen und schenkte im Jahre 1319 die markgräflichen Forsten den treuen Bürgern der Stadt Rathenow. Seit den Geschehnissen dieser Zeit soll um die Geisterstunde im Neumond des Öfteren ein feuerschnaubendes Ross in der Gegend gesehen worden sein und jagt den Wanderer in Schrecken.

 

Zeugnisse die diese Geschichte belegen gibt es leider nicht. Auch wurden aus den 19 Fürsten und Edlen in der weiteren Geschichte  nunmehr 13. Denn als Unglückszahl war diese im Volke weit verbreitet. Wie so oft wurde auch hier die Unglückszahl 13 vom Volke für die Geschehnisse verantwortlich gemacht.

 

Die Bürgerschaft der Stadt Rathenow konnte sich glücklich schätzen, ein so großzügiges Geschenk erhalten zu haben. Und dies in mehrfacher Hinsicht. Zum einen bedeutete der Besitz eines Waldes immer genug Vorrat an Holz zum bauen und heizen, die Waldflächen  wurden als Waldweide und die Bodenstreu für die Viehhaltung genutzt. Jeder Bürger konnte fast nach Belieben sein Vieh in den Wald treiben. Zum anderen verstarb der Markgraf Waldemar bereits kurz nach der Schenkung am 14.08.1319 in Bärwalde. Und ob seine Erben die Bürgerschaft so reich beschenkt hätten ist fraglich.

 

An die Ereignisse aus dem Jahre 1319 erinnern noch heute Straßen- und Ortsnamen in und um Rathenow. So finden wir hier die Waldemarstraße, den Markgrafenberg oder auch Betriebe, welche die „Askania“ im Namen tragen. Auch gibt es auf dem Gipfel des nach Waldemar benannten Markgrafenberges den Baumstumpf einer Eiche, der ehem. Waldemarseiche. Dieser Baum wurde im achtzehnten Jahrhundert in Erinnerung an Markgraf Waldemar gepflanzt.

 

Wie ging es nun weiter mit dem Hof Rodewald? Zuerst einmal wurde aus dem „Hof Rodewald“ die Bürgerheide oder das Bürgerholz. Im Jahre dann 1324 erhielt die Bürgerschaft das Privileg für die niedere und mittlere Jagd. Doch was ist das eigentlich? Das Brockhaus–Conservations-Lexikon beschreibt dies wie folgt: „In Bezug auf das jagdbare Wild theilt man die Jagd in hohe, mittlere und niedere Jagd, rechnet aber in manchen Gegenden die mittlere mit zur hohen Jagd. Zu dieser gehört die Jagd auf Rothwild, Damwild, Bäre, Wölfe, Luchse, Trappen, Fasanen, Kaninchen, Schwäne, Auerhühner; die mittlere Jagd ist auf Rehe, Schwarzwild, Birkhähne, Haselhühner, große Brachvögel gerichtet, während alles übrige Wild der niedern Jagd zufällt.“ Im Falle der Bürgerheide war die mittlere und niedere Jagd auf das Fallen stellen und die Netzjagd beschränkt. Die Jagd mit Bogen oder Büchse blieb weiterhin ein königliches Privileg.

 

Im Laufe der Jahre nahm die Ausbeutung der Bürgerheide ein Maß an, welches dazu führte, dass es dem Wald sehr schlecht ging. Durch die andauernde Waldweide wurden nicht nur Waldfrüchte, wie Eicheln oder Bucheckern von den Kühen, Schafen und Schweinen gefressen. Auch Gräser, Kräuter, Baumsämlinge, Auf- und Jungwüchse fielen den Haustieren fast vollständig zum Opfer. Man kann den Anblick mit einem Tiergehege vergleichen in dem einzelne Altbäume und eine bis zum Boden abgefressene Bodenvegetation das Bild prägen.  Der Rat der Stadt Rathenow bestellte dann zum Schutz des Waldes die so genannten Ratsschützen oder Heideläufer. Der erste Heideläufer, der bereits 1353 Erwähnung fand hieß Thilo von Wedingen. Hatte man das Amt des Heideläufers einmal inne konnte es weiter vererbt werden. Jedoch schafften es die Heideläufer nicht den Waldfrevel einzudämmen. Um 1595 war der Bestand des Waldes in Besorgnis erregender Weise gefährdet. So erließ die Stadt am 5.11.1596 eine Holzordnung um dem Frevel ein Ende zu setzen. In dieser heißt es unter anderem sinngemäß:

 

  1. Zwischen Martini und Christi Geburt soll niemand im Bürgerholze Lagerholz holen oder etwas vom Stamme hauen. In der übrigen Zeit sollen die Bürger montags und freitags  am Vormittage Lagerholz zu holen berechtigt sein. Vom Stamme soll aber nichts abgehauen werden. Wer diese Zeiten außer Acht lässt, erhält Gefängnis-strafen.
  2. Wer kein Bürger ist und kein Haus besitzt, soll sein Holz von den Nachbarn kaufen.
  3. Wer von den Bürgern Holz zu Schwellen oder Brunnen braucht, dem wird es vom Rat angewiesen.
  4. Wer das dazu erhaltene Eichenholz nicht verbaut, wird bestraft.
  5. Eschenholz zu Bändern und Wagen darf auch nicht ohne Erlaubnis des Rates geholt werden.
  6. Das Hainbuchenholz nur zu den Mühlenkämmen gebrauchet und sonst von niemanden abgehauen werden darf.

 

Als Lagerholz wird hier das Holz bezeichnet, welches bereits trocken am Boden lag. Heute würde man dazu Bruch- oder Leseholz sagen. Interessant an dieser Holzordnung ist auch, dass so zu sagen nebenbei etwas über die Verwendung der einzelnen Holzarten zu jener Zeit überliefert wird. Eichenholz, als dauerhaftes, hartes Holz für die Verarbeitung zu Schwellen und für den Brunnenbau. Eschenholz als zähes sehr bruchfestes Holz für den Rad- und Wagenbau. Hainbuchenholz wegen seiner hohen Festigkeit für den Bau von Zahnkämmen und Zahnrädern für Wind- und Wassermühlen.

 

Die Heideläufer hatten es oft nicht leicht die festgeschriebenen Regeln durchzusetzen. So fiel im Jahre 1608 dem Heideläufer Hanns Theventhal die undankbare Aufgabe zu, die benachbarten Adligen, unter ihnen die Herren von Bredow, von Görne-Kleßen und von Stechow wegen Jagdfrevels in der Rathenower Feldmark zur Rechenschaft zu ziehen. Ob es ihm entsprechend seines Auftrages gelungen ist wurde leider nicht überliefert. Viele Heideläufer waren seit dem in der Bürgerheide im Dienst. Zuerst allein und später auch als Gehilfen der angestellten Förster. Die hier erwähnten Namen werden sicher nicht vollständig sein, weitere Belege für deren Tätigkeit werden deshalb gern zur Vervollständigung hinzugezogen.

 

Heidläufer 1353 – 1887 (soweit bekannt):

 

Thilo von Wedingen                 1353 –

Valentin Prume                       1607 - 1613

Hanns Theventha                    1608 –

Peter Mol                               1616 – 1620

Hans Wrodel                          1621 – 1636

Hans Böhme                          1653 –

Adam Herms                         1687 – 1688

Andreas Matsky                     1711 – 1720

Christoph Seeger                    1744 –

Christoph Meyer                     1752 –

Johan Michael Seydel             1773 – 1777

Franz August Neumann          1787 –

Johann Militz                          1802 – 1810

Heinrich Leue                         1811 – 1829

Jacob Schuhmann                  1812 – 1848

Wilhelm Naetebus                           -  1887

 

 

In der Statuta der Stadt Rathenow aus dem Jahr 1612 werden weitergehende  Regeln zum Umgang mit dem Bürgerholz aufgestellt. Hier heißt es auch:

 

 „ Das Bürgerholz ist das beste Kleinod von allem, was zu dieser Stadt gehört.“

 

Die Verwaltung der städtischen Forsten obliegt nun der Forst Deputation. Dies sind Bürger die als Vertreter und Abgesandte des Magistrats die Einhaltung der Statuta beaufsichtigen sollen.

Aus den darauf folgenden Jahren ist leider wenig überliefert worden. Die umfangreichsten Zeugnisse sind dicke Bücher über die so genannten Holz-„Defraudanten“. Die heute gelegentlich noch in Österreich und der Schweiz verwendete Bezeichnung bedeutet Betrüger oder wurde für jemanden verwendet der sich der Unterschlagung von Steuern oder Zöllen schuldig gemacht hat.. Hier wurden von den Heideläufern und Förstern also jene verzeichnet, die sich des Waldfrevels oder des Holzdiebstahls schuldig gemacht haben. Ganz besonders wild trieben es dabei wohl die Einwohner von Neufriedrichsdorf. Das Kolonistendorf wurde in den Jahren 1765-1767 errichtet. In einer Aufzeichnung aus dem 18.Jahrhundert ist davon die Rede, dass die Einwohner das Holz im Übermaße aus dem Walde trugen um es in großen Mengen unter anderem an jene zu verkaufen, die kein Recht am Bürgerholze hatten. Um Buße zu tun mussten die Delinquenten ihre Schuld in den städtischen Forsten abarbeiten.

 

Doch auch in anderen Gegenden Deutschlands war es um den Wald schlecht bestellt. So wurde in Sachsen, aufgrund des erhöhten Bedarfes der Bergwerke an Grubenholz der Wald weit über das verträgliche Maß genutzt. Dies veranlasste den Erzgebirgischen Oberberghauptmann  Hans Carl von Carlowitz im Jahre 1713 zur Veröffentlichung der

 „Haußwirtlichen Nachricht und naturmäßigen  Anweisung zur Wilden Baum-Zucht“. Hier erscheint erstmals der Gedanken der Nachhaltigkeit in der Forst. Nachhaltigkeit bedeutet, dass nur so viel Holz aus dem Wald entnommen werden darf wie im gleichen Zeitraum wieder nachwächst. Doch bis zu einer geregelten Forstwirtschaft ist es noch ein weiter Weg.

 

Im Folgenden betrachten wir einige überlieferte Ereignisse, welche sich in den darauffolgenden Jahren zugetragen haben und unter anderem durch schriftliche Zeugnisse im Kreisarchiv Friesack und im Domstiftsarchiv Brandenburg belegt werden können.

 

So kam es im Jahre 1725 zu einer Anweisung des Rates der Stadt zur Lieferung von 25 Eichenstämmen zum Bau der Stadtschleuse. Andere Quellen geben an, dass die Stadtschleuse im Jahre 1732 gebaut worden ist. Dies würde bedeuten, dass schon damals die Amtsmühlen langsam mahlten, da von der Anweisung bis zur Umsetzung des Baus immerhin sieben Jahre vergingen.

 

In den Jahren 1762 – 1768 trübte ein langjähriger Grenzstreit zwischen der Stadt und dem königlichen Forstamt in Grünaue die Beziehungen zwischen Stadt und König. Wie der Streit letztendlich ausgegangen ist, konnte leider nicht in Erfahrung gebracht werden.

 

Im Jahre 1772 richtet die Stadt den ersten Forstetat ein. Hier wird das erste Mal ein Geldbetrag für die notwendigen Auslagen, wie Löhne der Heideläufer, Instandhaltung der Forstgestelle aber auch für die Einnahmen aus dem Bürgerholz festgeschrieben. In diesem Zeitraum wurden zum ersten Mal die königlich-preußischen Forsten einer Vermessung und Einteilung unterzogen. Die Ordnungswut des Preußenkönigs Friedrich des Großen sollten aber auch die Rathenower zu spüren bekommen, als dieser am 17.06.1782 in einem Befehl anordnete, dass auch die Rathenower Bürgerheide vermessen und in Schläge eingeteilt werden sollte. Die Stadträte sahen jedoch den Sinn dieser Maßnahme nicht ein und verweigerten diese und noch zwei folgende Anordnungen. Erst in den Jahren 1804 und 1805 wurden die städtischen Forsten erstmals vermessen.

 

Der in heutiger Zeit bewaldete Exerzierplatz nördlich den Wolzensees wird 1792 an die Garnision des 3. Brandenburgischen Reiterregiments, den Ziethenhusaren zur Nutzung übergeben.

 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Jahre 1809 erscheint die erste Städteordnung, mit der das heute noch gültige Prinzip der kommunalen Selbstverwaltung eingeführt wird. Die Bürger wählten nun Stadtverordnete, die wiederum den Magistrat der Stadt wählten. Aus diesem Kreis wurde wiederum der Bürgermeister gewählt. Somit ging auch der Besitz des Bürgerholzes von den Bürgern auf die „Communia“ über. Die Streunutzungs- und Weiderechte bleiben jedoch bei den Bürgern. Nur zwei Jahre darauf begründete Heinrich Cotta  in Tharandt bei Dresden die forstliche Hochschullehre.

 

Bereits ein Jahr später, im Jahre 1812 wird Wilhelm Brandt als der erste Stadtförster Rathenows angestellt. Ihm zur Seite stehen die Heidewächter Jacob Schuhmann und Heinrich Leue. Wilhelm Brandt bleibt bis 1851 im Dienst. Über den Heidewächter Leue gibt es Nachweise aus dem Jahre 1829, von Heidewächter Schuhmann  aus dem Jahre 1848.

 

Sieben Jahre später erblickt Theodor Fontane, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 200. Mal jährt das Licht der Welt. Neben vielen Büchern und Gedichten verfasste er auch dieses schöne Waldgedicht:

 

     Mittag

 

     Am Waldessaume träumt die Föhre,            Rings Sonnenschein auf Wies' und Wegen,
     Am Himmel weiße Wölkchen nur,                Die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach,      
     Es ist so still, dass ich sie höre,                 Und doch, es klingt, als ström' ein Regen
     Die tiefe Stille der Natur.                             Leis tönend auf das Blätterdach.
 

Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil,  obwohl Autodidakt und ohne akademische Bildung, gründet 1830 als Ableger der Universität Berlin die königlich preußische höhere Forstlehranstalt Eberswalde und leitet diese bis 1859. Er veröffentlicht 24 Bücher und über 750 Abhandlungen und gilt bis heute als einer der bedeutensten  „forstlichen Klassiker“. Im selben Jahr wird ein amtliches Disziplinarverfahren wird gegen den Rathenower Ratsherrn Meuss eröffnet weil dieser, unberechtigter Weise Buschholz mit Pferd und Karren aus dem Wald abgefahren hat.

 

Die forstliche Einteilung  der Bürgerheide in so genannte Jagen erfolgte erstmals 1840. Die Größe der Jagen sollte, typisch preußisch möglichst einheitlich sein und bei einer Kantenlänge von 400 x 500 m eine Fläche von 20 Hektar umfassen. Noch heute sind einige Forstabteilungen aufgrund der damaligen Einteilung vorhanden.

 

Ein großer Umbruch in der Nutzung der Bürgerheide geschah dann im Jahr 1847 als die verbliebenen Streunutzungs- und Weiderechte den Rathenower Bürgern für 22.290 Taler von der „Communia“ abgekauft wurden. Im gleichen Jahr wird Carl Friedrich Wilhelm Ludwig Brandt, wahrscheinlich des Sohn des ersten Stadtförsters der nächste Stadtförster und bleibt bis zum 10.05.1898. Herr Brandt erhält im Jahre 1858 personelle Unterstützung. Mit Theodor Grandke wird ein weiterer Förster eingestellt. Dieser bleibt bis 1891. Heinrich Angern ist nur zwei Jahre, von 1872 – 1874 als Förster in Rathenow tätig, dann wird Julius Greiner 1875 als nunmehr dritter Förster eingestellt. Im Jahre 1912 endet seine Dienstzeit. Ernst Jasse übernimmt 1891 den Posten von Herrn Brandt und wird der erste städtische Oberförster. Die in die Reviere Fenn und Riesenbruch aufgeteilte Bürgerheide wird somit von 3 Förstern und mehreren Schägern und Pflanzern bewirtschaftet. Carl Johann Schumrick folgt 1898 als neuer Oberförster. Unterstützung erhält er ab 1912 von Erich Nitzke als 2. Stadtförster. Dieser bleibt bis nach dem 2. Weltkrieg im Amt. Schumrick leitet das städtische Forstamt sehr erfolgreich. Am 01.12.1923 verstirbt er.

 

Anfang des 20. Jahrhunderts zuckelt dann eine Schmalspurbahn durch die Rathenower Stadtforst. Sie trug den Namen „Lorelei“ und führte von Rathenow über Stechow und mit  einem Abzweig nach Paulinenaue über Senske bis nach Nauen. Der Name hat sich jedoch nie eingebürgert. Wegen der vielen Pausen und der langen Fahrt nach Paulinenaue wurde die Kleinbahn im Volksmund „Stille Pauline“ genannt. So dauerte die Fahrt von Rathenow durch den Stadtforst bis nach Stechow 23 Minuten und kostete 70 Pfennig. 1904 geriet wegen Funkenflugs an der Strecke eine Waldfläche von 7 Morgen in Brand. Und auch an der Reichsbahnstrecke, welche durch den Stadtforst führte ereignete sich im Jahr 1908, verursacht von einer Dampflock ein Waldbrand in der Nähe des Markgrafenberges. Hier kamen über 30 Morgen (ca. 7,5 ha) zu Schaden. Die Reichsbahn musste für den Schaden in Höhe von 6000,00 Reichsmark aufkommen.

 

Die Lungenheilanstalt, heute das „Seniorenheim Stadtforst“ wird ab dem Jahre 1900 östlich von Neufriedrichsdorf errichtet. Zwei Jahre später folgt der Bau des Wasserwerkes am Ferchesarer Weg.

 

Hermann Laubenheimer wird 1919 städtischer Oberförster. Er bleibt bis 1923 im Amt und tritt dann eine Stelle in Frankfurt/Oder an. Das Jubiläum  „600 Jahre Rathenower Bürgerheide“ wird festlich begangen. Eine Festschrift aus dieser Zeit zeigt die Verbundenheit der Rathenower Bürger mit ihrem Forst:

 

 

Am 16.Juni 1921 findet eine Revierfahrt des Märkischer Forstvereins mit Oberförster Karl Laubenheimer durch die Rathenower Stadtforst statt. Der Exkursionsführer dazu ist noch erhalten und enthält auch für die heutige Zeit sehr interessante Ausführungen zum damaligen Waldbestand und der Waldbewirtschaftung. Hier einige interessante Auszüge daraus:

 

Größe des Rathenower Stadtforstes: 1627,8666 ha

 „Die Standorte sind zur Erziehung von Kiefer 2 und 3. Klasse zumeist geeignet. Spätfröste fügen dem Holzbestande, besonders Eichen, Eschen und Fichten oft bedeutenden Schaden zu. Der Vorrat an hiebsreifen Holzarten ist derzeit als befriedigend zu bezeichnen. Eiche 57,6 ha, Birke 109,6 ha und Kiefer 169,9 ha. Der von der Forstaufsichtsbehörde im Jahre 1919 genehmigte Abnutzungsplan beträgt in der Hauptnutzung 3100 fm , für die Vornutzung 1150 fm.“

Nun, mit Spätfrösten haben wir, aufgrund der Klimaerwärmung derzeit weniger zu rechnen, jedoch ist der genehmigte Abnutzungsplan des Jahres 1919 von der Menge her mit dem heutigen fast identisch. Die Anteile von Haupt- und Vornutzung sind aufgrund der Altersstruktur eher umgekehrt. Also 1150 HN  zu 3100 VN.

„Hauptholzart ist die Kiefer und demgemäß zu begünstigen. Sie zeigt durchweg freudiges Gedeien und erwächst in einem hundertjährigem Umtriebe….. zu einem nutzholzhaltigen mittlerem Baumholze heran. Ihre Neubegründung erfolgt wenigstens aber im Kahlschlagsbetriebe mit Hilfe von Saat und Pflanzung nach vorheriger Rodung der Stubben durch Sprengung mit flüssigem Sauerstoffe im Winter, im Sommer der starken Verdunstung wegen mit Pitrin.“

Auf Kahlschläge wird heute weitestgehend verzichtet. Die Rodung der Stubben war damals ein üblicher Vorgang, da das harzreiche Holz gern als Feuerholz verwendet wurde. Die Verfahrensweise der Stubbenrodung lässt uns dann aber doch staunen, denn heute ist es unvorstellbar im Winter und erst recht im Sommer im Forst Sprengungen zum Holzerwerb durchzuführen.

Zur Eiche heißt es:

 „Wachstumsleistung und Nutzungstüchtigkeit sind in den letzten 50 Jahren entschieden im Rückgang begriffen, wovon der meist kurzschaftige, astige zu Krümmungen neigende Stamm Zeugnis ablegt. Häufig tritt Wipfeldürre ein. Wo aber ( durch diese Eichen, Anm. d. Red. ) ein Nachlassen der Bodenkraft sich bemerkbar macht soll eine Umwandlung in die raschwüchsigere, anspruchslosere Kiefer vorgenommen und die Nachzucht der Eichen auf den besten Böden beschränkt werden.“

Schaut man sich im Stadtforst um so wird man feststellen, dass vor 100 Jahren die gleichen Probleme in der Eiche auftraten wie auch heute. Der allgemeine Zustand hat sich nicht wesentlich geändert. Da der Ruf nach Laubwäldern heute ungleich lauter ist als damals, scheint die Forderung nach einer Umwandlung in Kiefernwälder antiquiert, jedoch hat die Kiefer auf den entsprechenden Standorten auch heute noch ihre volle Berechtigung als wichtigster Waldbaum Brandenburgs.

Am 15.05.1923 wird der Forstrat a.D. Friedrich Albert Schröder wird auf Honorarbasis als Leiter des städt. Grün- und Forstamtes angestellt. Ihm zur Seite steht ab 1926 Fritz Maetschke  als Stadtförster.

 

1936 erfolgt der Ankauf des Revierteils Stechow von der Westerhold´schen Erbengemeinschaft. Etwa 380 Hektar kommen zum Stadtforst hinzu, jedoch werden stadtnahe Flächen im gleichen Jahr an die Wehrmacht abgegeben. Die Naturschutzgebiete Rodewald´sches Luch und Riesenbruch werden fest geschrieben.

 

Bei einer Überprüfung der Holzverkäufe durch den angestellten Hilfsförster Schubert, stellt dieser Unregelmäßigkeiten und Unterschlagungen durch Förster Maetscke in Höhe von 1200,00 RM fest. Nähere Untersuchungen führen Betrügereien durch Maetschke und vor allem Forstrat Schröder zu Tage. So ist zu lesen, dass dieser gegenüber  Schubert nach der Feststellung, dass  nur Zukunftsstämme entnommen und die kranken belassen werden folgendes sagte: „ Mein lieber Herr Schubert, ich muss Geld haben, Geld! Nach mir die Sinflut!“ Am 25.04.1936 teilt der zuständige Kriminalbeamte mit, dass Forstrat Schröder sich nach einer Unterredung mit ihm, den Fall betreffend, in seinem Büro erschossen habe. Der des Dienstes enthobene Maetschke streitet fortan alle ihm zur Last gelegten Taten ab, wird im Strafverfahren aus Mangel an Beweisen freigesprochen, klagt bis 1939 wegen entgangener Besoldung gegen die Stadt. 1939 wird er nach einem langen Disziplinarverfahren in welchem ihm u.a. ein außereheliches Verhältnis zur Hausangestellten der Forstrates Schröder zur Last gelegt wird entlassen.

 

In den letzten Tagen den zweiten Weltkrieges wurde auch die Rathenower Stadtforst schwer in Mitleidenschaft gezogen. Insbesondere der Bereich zwischen Neufriedrichsdorf und der damaligen Stadtgrenze wurde von Geschütz- und Gewehrfeuer getroffen. Noch heute, über 70 Jahre später sind in älteren Eichen und Kiefern Geschossreste zu finden. Damit ist selbst nach einer so langen Zeit eine wirtschaftliche Verwendung des Holzes meist ausgeschlossen. Eine Ausnahme bilden drei Eichenstämme, welche im „Eichendreieck“ in Rathenow-Ost gestanden haben. Sie konnten trotz einiger Splitter für die Restaurierung der Bammer Bockwindmühle verwendet werden und können dort als Kreuzjoch und Mehlbalken bewundert werden. Nach dem Krieg wird Förster Matuschke erster Stadtförster. Ihm unterstellt bis zu seinem Ausscheiden Förster Nitzke.

 

 

Mit der Bildung der Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebe 1952 verliert die Rathenower Stadtforst ihre kommunale Eigenständigkeit und wird Teil des StFB Rathenow. Hier erfolgt die Zuordnung des südlichen Teils zum Forstrevier Fenn. Bis 1954 ist hier Werner Appel als Förster tätig. Ihm folgt Helmut Doeppner, welcher das Revier 1958 an Klaus Müller weiter gibt. Der mittlere Teil der Stadtforst bildet nun das Revier Riesenbruch. Bis 1958 kümmert sich Wolfgang Kackstein darum, dann übernimmt Helmut Doeppner diesen Revierteil. Der östliche Teil der Stadtforst wird dem Forstrevier Stechow zugeordnet. Hier ist Hans Neumann für den die Waldbewirtschaftung zuständig.

 

Die in die Kasernen in Rathenow-Nord eingezogene Sowjetarmee beansprucht im Laufe der Zeit immer mehr Übungsflächen für sich. Die alten Wehrmachtsflächen reichen bald nicht mehr aus. So wird 1964 ein Gebiet von über 400 ha östlich der Breitscheitstraße zum Sperrgebiet und der Wald zwischen dem Wasserwerk und der Straße Semlin-Ferchesar muss einem Fahrübungs- und Schießplatz weichen. Wertvolle alte Eichen- und Kiefernbestände wurden kahl geschlagen, das Holz verschwand oft hinter den Kasernentoren. Der zuständige Förster hatte bei der Entscheidung über den Schießplatz nicht mitzureden und musste sich den Anweisungen fügen. Die tiefen Wunden die dies in den Stadtforst gerissen hat sind auch heute noch unübersehbar. Da die Übungsflächen nach wie vor unter Kampfmittelverdacht stehen werden sie auch in der näheren Zukunft nicht genutzt werden können.

 

Am 13.November 1972 wütete ein Sturm über dem Havelland. In Spitzen betrug die Windgeschwindigkeit 130 – 180 kmh. In den Forsten rund um Rathenow wurden über 65.000 Festmeter Holz vom Sturm umgeworfen oder umgebrochen. Der wirtschaftliche Schaden betrug ca. 9,1 Millionen Mark. Auf dem Gebiet der ehemaligen Stadtforst wurden über 20.000 Festmeter Holz geschädigt. Das ist etwa die fünffache Menge des jährlichen Holzeinschlages. Die Aufräum- und Wiederaufforstungsarbeiten dauerten bis zum Ende der siebziger Jahre.

 

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1989 machte die Stadt Rathenow ihre Rechte am Stadtforst geltend. 1992 war es dann soweit. Alle Flächen mit Ausnahme der Übungsflächen der nun Westgruppe der russischen Streitkräfte wurden an die Stadt zurückgegeben. Mit den Flächen übernahm die Stadt auch den Revierförster Helmut Doeppner, sowie fünf Waldarbeiter.  Herr Doeppner ging 1994 in den wohl verdienten Ruhestand und seither wird die Rathenower Stadtforst von Revierförster Thomas Querfurth bewirtschaftet.

 

Nach langen Verhandlungen wurden dann im Jahre 1997 auch die ehemaligen Übungsflächen mit einer Größe von ca. 467 Hektar an die Stadt zurück übertragen.

 

In den zurückliegenden 25 Jahren, für die Forst ein eher kurzer Zeitraum lag das Bestreben vor allem darin, die doch recht eintönigen Kiefernforsten in standortgerechte Laub- oder Mischwälder umzuwandeln. Dies ist bisher auf ca. 400 ha Fläche auch recht gut gelungen. Als außergewöhnliche Ereignisse sind aus dieser Zeit die Eingemeindung der Ortsteile und Zugliederung der dortigen Forstflächen zum Rathenower Stadtforst im Jahre 2002 zu nennen, im Jahre 2010 führte der mehr als doppelt so hohe Jahresniederschlag zu großflächigen Überflutungen im Stadtforst. Es dauerte weit über ein Jahr bis sich die Grundwasserstände wieder normalisiert hatten. Am 5. Oktober 2017 zog Sturmtief XAVIER, mit Böen bis Orkanstärke (118 km/h und mehr; 12 Bft)  über Deutschland hinweg. Zahlreiche Bäume wurden entwurzelt, viele davon waren Eichen, die noch unter Laub stehend und vom anhaltenden Regen schwer und nass waren und dem Wind eine große Angriffsfläche boten. Innerhalb von nur 15 Minuten wurden im Stadtforst über 3000 Festmeter Kiefern und Eichen umgeworfen. Die Aufräumarbeiten dauerten bis zum Jahresende 2018 und die Wiederaufforstung der betroffenen Bereiche wird  noch einige Jahre in Anspruch nehmen.

 

Die 700 jährige Geschichte der Rathenower Stadtforst und das damit verbundene Jubiläum in diesem Jahr sind sicher ein willkommener Anlass dieses „schönste Kleinod“ mal wieder zu besuchen. Sei es per Pedes oder per Rad. Ein Verlaufen oder Verfahren ist dabei nicht zu befürchten, denn in einer Wanderkarte, welche am Kirchberg beim Tourismusverein kostenlos erhältlich ist, sind alle Wanderrouten ausführlich beschrieben.  Ob Joseph von Eichendorff je im Rathenower Stadtforst zu Gast war ist nicht bekannt, jedoch könnte man meinen, dass er die folgenden Zeilen ganz in der Nähe des Markgrafenberges verfasst hat:

 

Die Nacht

1.Wie schön hier zu verträumen                                   2.Die Berg' im Mondesschimmer
   Die Nacht im stillen Wald,                                          Wie in Gedanken stehn,
   Wenn in den dunklen Bäumen                                    Und durch verworrne Trümmer
   Das alte Märchen hallt.                                              Die Quellen klagend gehn.

 

3.Denn müd ging auf den Matten                                  4.Das ist das irre Klagen
   Die Schönheit nun zur Ruh,                                         In stiller Waldespracht,
   Es deckt mit kühlen Schatten                                      Die Nachtigallen schlagen
   Die Nacht das Liebchen zu.                                         Von ihr die ganze Nacht.

 

5.Die Stern' gehn auf und nieder –                              6.Schon rührt sich's in den Bäumen,
   Wann kommst du, Morgenwind,                                 Die Lerche weckt sie bald –
   Und hebst die Schatten wieder                                  So will ich treu verträumen
   Von dem verträumten Kind?                                      Die Nacht im stillen Wald.

 

 

Teil 1 erschienen im Rathenower Heimatkalender 2019, Teil 2 folgt im Heimatkalender 2020.